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Von Oktober bis Dezember werden die Leseratten zu kleinen Stars an der Heinrich-Böll-Schule (HBS), denn dann findet traditionell die Zeit des Vorlesewettbewerbs statt. Begeistert wird sich angefeuert und gar mitgefiebert, wenn die Jungen und Mädchen ihre spannenden Geschichten erzählen. Schnell infizieren sie ihre Mitschüler mit dem in dieser Zeit besonders ansteckenden Lesevirus. Gerade deshalb ist diese Veranstaltung als traditionsreiche Leseförderungsinitiative an der integrierten Gesamtschule nicht mehr wegzudenken.
„Wow! Ein Buch hat meine Fantasie erweckt!“ – rappte Eko Fresh 2019 zum Jubiläum des Vorlesewettbewerbs des Deutschen Buchhandels. Fantasie bei ihren Zuhörern weckte auch Selina Richter, Schülerin an der Heinrich-Böll-Schule. Die Sechstklässlerin gewann den Schulentscheid des Vorlesewettbewerbs und setzte sich gegen ihre Mitschüler durch. Sie las aus dem packenden Kinderroman „Die magischen Augen von Stonehill“ von der Erfolgsautorin Juma Kliebenstein. Voller Überraschung und Witz präsentierte sie ihren Textausschnitt und erzählte dabei den Zuhörern von Viola, dem merkwürdigen Mädchen mit schwarzem langem Haar, das immer lila gekleidet ist.
In den vergangenen Wochen entdeckten die Sechstklässler der Heinrich-Böll-Schule jede Menge neue Bücher und stellten ihre eigene Lieblingsgeschichte innerhalb ihrer Klasse vor. Ob Ausstellungen in der Mediothek oder das kreative Gestalten einer selbst entworfenen Schuhkiste passend zum Lieblingsbuch, die Deutschlehrer nutzen verschiedene Aktivitäten rund ums Buch und förderten jenseits von Notendruck den Umgang mit Literatur. Dabei konnten sich alle Kinder unabhängig von ihrem Vorlesetalent einbringen, denn im Mittelpunkt dieses größten Wettbewerbs standen von Beginn an Lesefreude und Lesemotivation. Fleißig wurde geübt und sich gegenseitig um die Wette vorgelesen, um optimal vorbereitet zu sein. Denn nur wer wirklich klar und deutlich vorliest, wer richtig betont und es schafft, mit seinem Vortrag die Fantasie der Zuhörer zu erwecken, hat eine Chance auf den Schulsieg. Bundesweit lesen jedes Jahr rund 600.000 Schüler der sechsten beim Vorlesewettbewerb um die Wette. Er ist einer der größten und traditionsreichsten Schülerwettbewerbe Deutschlands.
Am Dienstagmorgen (03.12.) wurde dann endlich im großen HBS-Finale der Schulsieger gekürt. Nervös waren sie an diesem Morgen alle, die besten Vorleser der sechsten Klassen der Heinrich-Böll-Schule: Mia Schiller (6/1), Ronja Forwick (6/2), Luca Jochum (6/3), Selina Richter (6/4), Mia Kilian (6/5) und Maria Vezenkova (6/6). Bestens vorbereitet präsentierten sie sich der Jury, bestehend aus den Mediotheksmitarbeiterin Antonia Froese, Vorjahressiegerin Lisa-Marie Sponagel, Fachschaftsleiterin Kerstin Schmidt und den Lehrerinnen Silvia Hantke und Janine Egly-Wetzel. Die sechs Klassenbesten lasen erst einen selbst gewählten Text vor. Anschließend folgte die deutlich schwerere Aufgabe: Die Schüler mussten einen Fremdtext bewältigen. Die Jury wurde dabei vor die Qual der Wahl gestellt. „Alle Teilnehmer haben den Fremdtext mit Bravour bewältigt. Es gab nur feine Unterschiede“, fasste die Leiterin der Fachschaft Deutsch, Kerstin Schmidt, ihre Eindrücke des Lesewettbewerbs zusammen. Nach eingehender Beratung folgte schließlich die mit Spannung erwartete Verkündung: Die beste Leseleistung zeigte Selina Richter aus der Klasse 6/4. Sie nimmt für die Heinrich-Böll-Schule am Kreisentscheid teil. „Wir drücken Selina natürlich ganz fest die Daumen“, erklärte Deutschlehrerin Janine Egly-Wetzel bei der Preisverleihung. Die Teilnehmer durften sich allesamt über ein Buchpräsent und ein Lesezeichen freuen.
„Jedes Jahr nehmen an unserer Schule über hundert Schüler am Vorlesewettbewerb teil. Manche von ihnen haben sich bisher nie intensiv mit Büchern beschäftigt. Wenn bei einigen der Funke fürs Lesen, für Geschichten und ihre Protagonisten überspringt, haben wir schon gewonnen. Die Motivation zum Lesen und der damit verbundene Lesewettbewerb sind deshalb wichtige Bestandteile der Sprachförderung unserer Schule“, erklärte die Lehrerin Silvia Hantke, die im laufenden Schuljahr immer wieder verschiedene Lese-Projekte sowohl für Schüler als auch Eltern und Lehrer in der schuleigenen Mediothek anzettelt und durchführt.

Die besten Vorleser der sechsten Klassen der Heinrich-Böll-Schule (v.l.n.r.): Mia Schiller (6/1), Luca Jochum (6/3), Gewinnerin Selina Richter (6/4), Ronja Forwick (6/2), Mia Kilian (6/5) und Maria Vezenkova (6/6).

Vorleser mit Jury (v.l.n.r.): Luca Jochum, Mia Schiller, Kerstin Schmidt, Vorjahressiegerin Lisa-Marie Sponagel, Gewinnerin Selina Richter, Antonia Froese, Maria Vezenkova, Silvia Hantke, Mia Kilian, Ronja Forwick und Janine Egly-Wetzel.
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Schulen müssen neue Wege gehen, um effizienter zu arbeiten, Synergieeffekte zu generieren und ihren Schülern einen möglichst perfekten Bildungsgang zu garantieren. Für die Karl-Kübel-Schule in Bensheim und die Heinrich-Böll-Schule in Fürth ist diese Tatsache keine wohlklingende Utopie, sondern ab dem Schuljahr 2020/21 handfeste Realität, wenn es, wie es die Schulleiterin der KKS, Ulrike Rüger, ausdrückt, zu einer Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen einer abgebenden und einer weiterführenden Schule komme.
Das bedeutet jedoch keineswegs, dass die Heinrich-Böll-Schule eine für alle Schüler gewinnbringende Zusammenarbeit mit anderen Schulen ausschließt. Ganz im Gegenteil: Ein gutes Einvernehmen sei die Voraussetzung dafür, den Schülern optimale Schullaufbahnen zu garantieren, betont der Schulleiter der Heinrich-Böll-Schule, Alexander Hauptmann.
Bestes Beispiel dafür war der Informationsabend an der integrierten Gesamtschule: Vertreter der verschiedensten weiterführenden Schulen – darunter auch Repräsentanten der Weinheimer Schulen – stellten sich den Schülern und deren Eltern im rappelvollen Foyer der HBS vor. Der Andrang war derart groß, dass kurz vor Beginn noch Stühle herbeigeschafft werden mussten, um allen einen Sitzplatz zu garantieren.
Nach einer Einführungsrunde besetzten die Schulvertreter Infostationen, die von den Schülern angesteuert werden konnten. Das Konzept der HBS stieß bei allen Beteiligten auf große Zustimmung. „Wir haben ein Format gefunden, das den Bedürfnissen der Schüler als auch der Schulen gerecht wird“, bilanzierten Schulleiter Alexander Hauptmann, Stufenleiterin Astrid Schulze Icking und der stellvertretende Schulleiter Boris Oberle. „Der Abend war ein beredtes Beispiel dafür, dass die HBS ein gutes Einvernehmen mit allen Schulen pflegt“, erklärte Hauptmann.
Über das Resultat der Kooperation zwischen HBS und KKS referierte der Vertreter des Beruflichen Schulzentrums aus Bensheim. Die Schulzeit an der integrierten Gesamtschule in Fürth endet nach Vollendung des zehnten Schuljahres. Schüler, die das Abitur oder den schulischen Teil der Fachhochschulreife, landläufig auch „Fachabitur“ genannt, anstreben, müssen sich eine Schule in ihrem Umfeld suchen. Dass viele Jugendliche der HBS diesen Weg Jahr für Jahr einschlagen, freut die Schulgemeinde sehr, ist dies doch ein zuverlässiger Indikator für die hervorragende pädagogische Arbeit des Kollegiums.
Die Auswertung der Schülerströme macht deutlich, dass die Karl-Kübel-Schule in Bensheim ganz oben auf der Liste der in Frage kommenden Schulen steht. Die KKS bietet nicht nur eine Schulkarriere hin zum schulischen Teil der Fachhochschulreife in diversen Fachrichtungen an, sondern – was oft nicht bekannt ist – auch die Erlangung des Allgemeinen Abiturs. „Das Berufliche Schulzentrum hat – wie alle beruflichen Schulen – frühzeitig auf die veränderte Arbeitswelt reagiert und ein Konzept entwickelt, dass Schule und Beruf miteinander verzahnt. Für viele Schüler ist dieses Angebot überaus überzeugend“, konstatiert HBS-Schulleiter Alexander Hauptmann.
Die Schulleitung der Heinrich-Böll-Schule registrierte die Präferenz ihrer Schüler für die KKS mit Interesse. Den Verantwortlichen drängte sich schnell die Frage auf, wie der Elternwunsch nach einer Oberstufe mit den Bedürfnissen der Schüler, dem Angebot der KKS und zum Vorteil der Jugendlichen gelöst werden könnte. Es folgten die Kontaktaufnahme mit der Schulleitung der KKS und intensive Gespräche. Die KKS-Verantwortlichen signalisierten sofort großes Interesse an einer Kooperation.
Überraschend schnell fanden die beiden Gesprächspartner eine tragfähige und für die potentiellen Schüler komfortable Lösung. An mehreren Tagen in der Woche werden die HBS-Schüler, die ein allgemeines Abitur anstreben, in den Hauptfächern von HBS-Lehrern an der integrierten Gesamtschule unterrichtet. Mit anderen Worten: In der Einführungsphase, das erste Jahr in der Oberstufe, bleiben die Schüler die überwiegende Zeit an ihrer alten Schule.
Die Vorteile für die Jugendlichen liegen auf der Hand: Der Wechsel erfolgt nicht abrupt, sondern in sehr softer Weise. Sie ersparen sich die tägliche zeitraubende Fahrt aus dem Odenwald nach Bensheim an die Bergstraße. Und: Sie verbringen das erste Jahr, in dem sie die Grundlagen für das Abitur legen, in gewohnter Umgebung. „Die Eltern sind von der neuen Variante total begeistert, das wird deutlich an den vielen positiven Rückmeldungen“, bemerkt Hauptmann.
Schon jetzt herrscht zwischen den beiden Schulen ein gutes Einvernehmen, das in vielerlei Weise zum Ausdruck kommt. Lehrer im Vorbereitungsdienst sind an beiden Schulen tätig und werden hier wie dort ausgebildet. Ein Bus fährt seit geraumer Zeit direkt von Fürth aus zur KKS nach Bensheim. Und: Auf Schulleiterebene findet ein permanenter konstruktiver Gedankenaustausch statt.
Schulleiter Alexander Hauptmann macht mit Nachdruck deutlich, dass es nicht darum gehe, Schülerströme zu steuern oder eine Schule zu präferieren. Ziel sei es, so Hauptmann ergänzend, dass man den Schülern, die sich bereits entschieden hätten, den weiteren Weg erleichtern wolle. Ähnlich äußert sich die Schulleiterin der Karl-Kübel-Schule, Ulrike Rüger, zum neuen Angebot: „Wir freuen uns, dass wir über die Kooperation mit der Heinrich-Böll-Schule die Zusammenarbeit zwischen abgebender und weiterführender Schule vertiefen und so die Lernenden beim Übergang in die Oberstufe noch besser unterstützen können.“ Die KKS biete, so die Schulleiterin der KKS weiter, als berufliches Schulzentrum die Chance, nach der Sekundarstufe I in unterschiedlichen berufsbezogenen Schwerpunkten die Allgemeine Hochschulreife oder die Fachhochschulreife zu erwerben.

Vertreter der verschiedensten weiterführenden Schulen – darunter auch Repräsentanten der Weinheimer Schulen – stellten sich den Schülern und deren Eltern im rappelvollen Foyer der Heinrich-Böll-Schule vor.
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Fußballclubs haben ihre eigenen Songs, für Weltmeisterschaften werden Lieder komponiert und für außergewöhnliche Filmhits gibt es die begehrten Oscars. Was den Stars und Sternchen recht ist, ist der Heinrich-Böll-Schule billig: Die einzige integrierte Gesamtschule im Kreis hat nun einen eigenen Schulsong und die passende, zum Mitsingen animierende Musik obendrein. „Und wir bringen alle unsere Stärken ein, um somit ein Teil eines Ganzen zu sein“, lauten vielsagende Verse des mehrstrophigen Liedes.
Die Idee dazu hatte die Referendarin Janine Erbach, die mittlerweile ihr zweites Staatsexamen mit Bravour meisterte und eine Festanstellung an der HBS erhält. Janine Erbach, eine waschechte Pfälzerin, ist das, was man gemeinhin als „Vollblutmusikerin“ bezeichnet. Wenn die fröhliche Pädagogin nicht gerade Musik und Geschichte unterrichtet, lässt sie ihre Stimme in der Band „Lost Eden“ erklingen.
Eine „Kostprobe“ ihres Könnens an der HBS gab sie bei der Verabschiedung der Abgänger im Sommer dieses Jahres. Die Zuhörer spendeten der quirligen „Rockröhre“ stehende Ovationen. „Ich habe mich an der HBS vom ersten Tag an extrem wohl gefühlt, deshalb war es mir ein Anliegen, der Schule, dem Kollegium und den Schülern etwas zurückzugeben“, erläutert Janine Erbach ihre Motivation für die Komposition des Songs.
Die 25jährige Musiklehrerin setzte sich im Rahmen eines Schulprojektes mit Schülern des zehnten Jahrgangs und ihrem Kollegen Felix Urbanczyk zusammen, um den Text zu formulieren. „Von anstrengender Arbeit konnte keine Rede sein, es hat unheimlich Spaß gemacht, die Verse zu schmieden. Wir waren total kreativ und hatten jede Menge zu lachen“, erinnert sich die Junglehrerin.
Im Text sollte das Außergewöhnliche der Schule zum Ausdruck kommen. Schon der Refrain gibt darüber Aufschluss, wenn es heißt: „Die HBS, die Schule, die uns weiterbringt. Es wird gelernt, gelacht, gelehrt und Sport gemacht. Jeder findet seinen Weg, egal, wohin er geht. Die HBS, die Schule, in der sich was bewegt.“ In den folgenden Zeilen wird deutlich, dass an der integrierten Gesamtschule ein besonderer Geist weht, dass die Schüler sich Zuhause fühlen und Zeit zur Entwicklung haben.
Als die Strophen getextet waren, galt es die zweite Hürde zu nehmen: Gemeinsam mit Stefan Obermann setzte sich Janine Erbach ans Klavier, um eine möglichst eingängige Melodie zu komponieren. Akkorde wurden geschrieben, Tonfolgen ausprobiert und Tonarten getestet. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Begeistert vom Schulsong zeigte sich sogleich Schulleiter Alexander Hauptmann, der das Lied bereits perfekt intonieren kann. „Der Song samt Musik, überaus beschwingt und fröhlich, passt perfekt zu unserer Schule“, kommentierte der Schulleiter. Nicht jede Schule könne, so Hauptmann mit einem verschmitzten Lächeln, auf einen eigenen Schulsong verweisen.
Erstmals wird der Schulsong am „Tag der offenen Tür“ am 18. Januar 2020 zu hören sein. Die Gruppe „Let´s sing“ probt bereits fleißig und wird für eine zündende Premiere sorgen.

Schulsong: Die Schülergruppe „Let´s sing“ wird unter der Leitung von Musiklehrerin Janine Erbach im Rahmen des „Tages der offenen Tür“ am 18. Januar 2020 den Schulsong der Heinrich-Böll-Schule zu Gehör bringen. Schulleiter Alexander Hauptmann ist begeistert von Text und Melodie und versprach dem kleinen Chor, bei der Premiere mitsingen zu wollen.
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Jeder Handgriff sitzt. Es sieht spielerisch leicht aus, wie Stefan Förderer aus einem unscheinbaren Stück Stoff einen festlichen Stern faltet. Fünf Meter weiter schwingt Clemens Winkelmann ein rasierklingenscharfes Messer wie einen filigranen Taktstock. Faszinierte Zuschauer hier wie dort sind Zehntklässler der Heinrich-Böll-Schule, die von den „Bistronauten“ in Weinheim Einblick in die herrliche Welt der Kulinarik erhalten. Aus den staunenden Passanten werden jedoch im Handumdrehen lernbegierige Akteure. Den besonderen Unterricht arrangierte die Lehrerin Christina Hantke, die seit zwei Jahren den Wahlpflichtkurs „Knigge für Kids“ anbietet.
Wer war noch mal „Knigge“? Adolph Freiherr Knigge war deutscher Schriftsteller und Aufklärer. Ihm war es ein Anliegen, dass die Menschen höflich und mit Taktgefühl miteinander umgehen, sich also angemessen in allen Lebenslagen verhalten. Wer sich heute im öffentlichen Raum bewegt, registriert nicht selten mit einem gewissen Unbehagen ein unhöfliches oder rücksichtsloses Auftreten vieler Zeitgenossen. Keine Frage: Herr Knigge hätte jede Menge zu tun, um diesen Herrschaften die nötigen „Benimmregeln“ zu vermitteln.
Dass es zu den Sozialkompetenzen gehört, sich in unterschiedlichen Situationen – ob im Schulalltag, beim festlichen Essen im Kreis der Familie, am Arbeitsplatz oder beim Besuch des Theaters – adäquat zu verhalten, ist unbestritten. Der Kurs „Knigge für Kids“ ist die zur Realität gewordene Umsetzung der oft verwendeten Weisheit „Du lernst nicht für die Schule, sondern für das Leben“. Der Pädagogin Christina Hantke ist es wichtig, dass die Jugendlichen sich in allen Lebensbereichen souverän bewegen können. Die vielzitierten „Etikette“ im Umgang mit dem Mitmenschen sind keine angestaubten Reliquien aus Opas Zeiten, sondern tragen zur Wertschätzung desjenigen bei, der sie anzuwenden weiß.
Bei den „Bistronauten“ des gleichnamigen Restaurants in Weinheim lernten die Zehntklässler der integrierten Gesamtschule, was man bei der Zubereitung, beim Eindecken des Tisches und natürlich während des Essens beachten sollte. Das junge Team um Restaurantleiter Stefan Förderer hatte sich spontan bereit erklärt, seinen freien Tag für diese außergewöhnliche „Schulstunde“ zu opfern. Damit nicht genug: Der Chef der „Bistronauten“, Max Stoll, spendierte den Schülern zum großen Teil ein dreigängiges Menü.
In drei Gruppen gingen die Jugendlichen ans Werk: In der Küche kümmerte sich eine Gruppe um die Zubereitung des Salates, während eine andere den Hauptgang und das Dessert vorbereitete. Die dritte Gruppe deckte den Tisch ein. Klar, dass an den Stationen ein Wechsel erfolgte, damit jeder Schüler alle Arbeiten kennenlernte. Restaurantleiter Förderer informierte die Schüler zudem über die „Philosophie“ der „Bistronauten“, die auf hochwertige regionale Produkte setzen. „Convenience-Produkte sind bei uns ein absolutes Tabu“, betonte Förderer. Ein Blick in die offene Küche des Restaurants liefert den Beweis: Verarbeitet werden ausschließlich frische Waren. Dosen- oder Tiefkühlerzeugnisse sucht man vergebens.
Das gilt übrigens auch für eine überfrachtete Speisekarte. Auf der Kreidetafel stehen immer „nur“ drei Gerichte: ein vegetarisches, ein Menü mit Fleisch und eines mit Fisch. Die Schüler der Heinrich-Böll-Schule kreierten unter Anleitung von Koch Clemens Winkelmann ein vegetarisches Menü. Serviert wurde als Vorspeise ein gemischter Salat mit Croutons, als Hauptspeise eine raffinierte Pasta mit geschmortem Kürbis und Walnüssen und als Dessert ein leckeres Birnencrumble mit erfrischendem Birnensorbet.
Beim Essen setzten die Schüler die verschiedenen Bestecke, die sie zuvor fachmännisch angeordnet hatten, gekonnt und mit sichtlicher Freude ein. Das Gedeck, so die einhellige Meinung der Jugendlichen, gebe dem Menü noch den letzten Pfiff. „So macht Unterricht richtig Spaß“, urteilten die Zehntklässler, die den Nachmittag bei den „Bistronauten“ in vollen Zügen genossen.
Ihre Lehrerin Christina Hantke freute sich sichtlich über die Begeisterung ihrer Schüler für diesen „Knigge-Kurs“ der genussvollen Art. „Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, welch positive Wirkung ein höfliches und der Situation angemessenes Verhalten auf unsere Umgebung hat“, konstatierte die Pädagogin. Sie dankte den „Bistronauten für deren keineswegs selbstverständliche Einladung und die Vermittlung ihres umfangreichen Wissens rund um die Gastronomie. Die Schüler ihrerseits bedankten sich bei den „Bistronauten“ mit selbstgebackenen Plätzchen, die sie in formschönen Behältnissen überreichten.
Unter Anleitung von Stefan Förderer lernten die Schüler der Heinrich-Böll-Schule und Lehrerin Christina Hantke, wie eine Serviette variantenreich gefaltet und ein Tisch stilecht eingedeckt wird.
Mit Begeisterung wirkten die Zehntklässler der Heinrich-Böll-Schule …
… unter der fachkundigen Leitung von Koch Clemens Winkelmann in der Küche und zauberten ein dreigängiges Menü.
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Immer wieder ist der Vorwurf zu hören, in den deutschen Schulen ginge das Wissen um das dunkelste Kapitel deutscher Geschichte verloren. Allenthalben fordern Politiker und Historiker, dass der Besuch eines Konzentrationslagers verpflichtend für alle Schüler sein sollte. An der Heinrich-Böll-Schule ist die Vermittlung des Geschehens während der Diktatur der Nationalsozialisten und deren Gräueltaten fester Bestandteil im Geschichtsunterricht. Darüber hinaus beteiligen sich Schüler seit vielen Jahren aktiv an der Gestaltung der Feierstunde zum Volkstrauertag in Fürth. Den Schülern der integrierten Gesamtschule ist also sehr wohl bewusst, wie viele sinnlose Opfer die Nazi-Diktatur beziehungsweise die daraus resultierenden Kriege forderten.
Auch bei der jüngsten Feierstunde der Gemeinde Fürth wirkten Schüler deine Deutsch-Kurses von Lehrer Gernot Pustelnik mit. Gemeinsam mit ihrem Pädagogen hatten sie im Vorfeld Texte und Gedichte ausgewählt, die das Grauen der beiden Kriege zum Inhalt hatten und sich mit dem Unheil, das von deutschem Boden ausging, auseinandersetzten.
Erstmals fand die Feierstunde nicht am Ehrenmal, sondern auf dem Friedhof statt. Schulleiter Alexander Hauptmann, der als Vertreter der Heinrich-Böll-Schule anwesend war, als auch Deutschlehrer Pustelnik und die beteiligten Schüler äußerten sich positiv über die neue Gedenkstätte. Der Friedhof gebe, so der allgemeine Tenor, noch mehr das Gefühl, allen Opfern des Nationalsozialismus gerecht zu werden. Auch einfache Fürther Bürger hätten unter dem Regime gelitten und Angehörige in den sinnlosen Kriegen verloren, deshalb sei es sinnvoll, auf dem Friedhof allen zu gedenken.
„Die Heinrich-Böll-Schule wird sich auch in Zukunft an der Gedenkfeier zum Volkstrauertag beteiligen. Wir sind ein Teil der Gemeinde und bringen uns aktiv in das Leben der Kommune ein“, betonte Schulleiter Alexander Hauptmann, der den Schülern und Deutschlehrer Gernot Pustelnik für ihr Engagement dankte.

Bei der jüngsten Feierstunde der Gemeinde Fürth wirkten HBS-Schüler eines Deutsch-Kurses von Lehrer Gernot Pustelnik mit.
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Selbstbewusst durch das Leben gehen, das möchte am liebsten jeder. Doch was heißt eigentlich selbstbewusst? Wie manifestiert sich Selbstbewusstsein? Mit Arroganz und Überheblichkeit hat Selbstbewusstsein nichts zu tun, vielmehr verbirgt sich dahinter das Wissen um die Stärken und Schwächen der eigenen Person respektive ein adäquates Auftreten in unterschiedlichsten Lebenssituationen. Wie wichtig ein gesundes Selbstbewusstsein ist, lernen Siebtklässler der Heinrich-Böll-Schule im Rahmen eines Projektes.
Initiiert und organisiert wird das Training seit fünf Jahren von Schulpfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann. Sie registrierte in vielen Gesprächen mit Schülern, dass Ängste und Unsicherheiten den Alltag prägen und zu Problemen im Umgang mit Mitmenschen führen. Es ist ihr deshalb ein Anliegen, diesen Schülern mit gezieltem Training zu helfen. Zwei Probleme galt es im Vorfeld aus dem Weg zu räumen: Zum einen benötigte die Pfarrerin einen für die Aufgabe prädestinierten Coach, zum anderen brauchte sie einen Sponsor, um das Projekt realisieren zu können.
Mit dem Psychologen und Wing-Tsu-Trainer Stephan Däbler engagierte sie den idealen Kursleiter und mit unermüdlicher Suche auch großzügige Sponsoren. „Stephan Däbler ist eine Koryphäe auf diesem Gebiet. Dass es immer wieder Stiftungen und Institutionen gibt, die ihre Unterstützung signalisierten, freut mich natürlich riesig“, erklärt Barbara Holzapfel-Hesselmann.
Zu Beginn des Seminars thematisieren die Schüler gemeinsam mit dem Psychologen die verschiedenen Ängste, denen Menschen ausgesetzt sind. Sobald eine Angst den Geist erfasst, lähmt sie den Körper. Eine freie Entfaltung ist nur noch eingeschränkt möglich. Im Spiel lernen die Schüler mit den unterschiedlichsten Ängsten umzugehen und Strategien zu entwickeln, wie man sich aus der „Angstfalle“ befreien kann.
Angst und Misserfolg bedingen einander, deshalb ist es – gerade für Schüler – wichtig, Misserfolge zu verarbeiten. Der Psychologe gibt den Tipp, sich mit anderen über den eigenen Misserfolg zu unterhalten, um ihn verarbeiten zu können. Misserfolge gehören zum Lebensweg dazu und wer die richtigen Schlüsse daraus zieht, kann vom „Lernerfolg“ profitieren.
Selbstbewusstsein ist aber auch ein entscheidender Faktor im Umgang mit den Mitmenschen. Die Schüler lernen von Stephan Däbler, wie sie sich in unangenehmen Situationen mit Erwachsenen verhalten sollen. Auch in Fällen von Mobbing ist es wichtig, die richtige Reaktion zu zeigen, dafür bedarf es ebenfalls eines selbstbewussten Auftretens.
Die Probe aufs Exempel erfolgt am Ende des Projektes: Die Schüler müssen sich mit bunten und in jeder Hinsicht sehr schrillen Halsketten auf den Weg in Fürther Geschäfte machen und sich den Menschen stellen. Damit nicht genug: Ihre Aufgabe besteht obendrein darin, Personen anzusprechen und sie bezüglich ihres Erscheinungsbildes zu befragen. Dazu gehört eine große Portion Selbstbewusstsein.
„Die Schüler sind immer sehr motiviert und hellauf begeistert. Allen ist am Ende eines Projektes klar, wie wichtig Selbstbewusstsein im Leben ist. Wir wollen an der Heinrich-Böll-Schule in Zukunft für alle siebten Klassen dieses Projekt anbieten“, betont Pfarrerin Barbara Holzapfel-Hesselmann, die zurecht stolz ist auf das fünfte Jubiläum ihres ehrgeizigen Projektes.

Wie wichtig ein gesundes Selbstbewusstsein ist, lernen Siebtklässler der Heinrich-Böll-Schule im Rahmen eines Projektes.
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