Workshop-Atelier „Holocaust – Erinnerung für die Zukunft“ bewegt Zehntklässlerinnen und Zehntklässler an der Heinrich-Böll-Schule
Anlässlich des Holocaust-Gedenktages 2026 wurde es im Unterricht der 10/5 im Fach
Gesellschaftslehre stiller als sonst. Nicht, weil es „nur“ um Geschichte ging, sondern weil unter der Leitung von Lehrkraft Nora Schnauber die Vergangenheit plötzlich greifbar wurde: Gesichter, Namen, Briefe, amtliche Schreiben. Im Rahmen ihrer Ausbildung am Studienseminar Heppenheim organisierten Nora Schnauber und ihre Referendar-Kolleg*innen Anna-Lena Dluzak und Christian Germann unter der Leitung von Frank Maus Projekttage zum Thema „Holocaust – Erinnerung für die Zukunft“. Im Mittelpunkt stand die Frage: Warum ist das Erinnern an die Shoah auch heute für eine demokratische Zukunft bedeutsam? Einen entscheidenden Beitrag leistete der US-Amerikaner Ryan Lilienthal, der eigens aus New Jersey, nach Deutschland reiste. Seine Familienangehörigen jüdischen Glaubens, die einst im Lautertal, einer Nachbarkommune von Fürth, lebten, überlebten den Holocaust nicht. Der Kontakt kam zustande, weil Historiker Maus zur Verfolgung jüdischer Familien in der Region forschte und dabei auf umfangreiche Dokumente zur Familie Lilienthals stieß. Lilienthal bat um Unterstützung durch die Gemeinde Lautertal, welche den Kontakt herstellte.
Vom Foto zur Frage: „Wie alt bist du?“
Der Einstieg war bewusst nah am Leben der Jugendlichen: Ein Foto der Familie Lilienthal zeigte unter anderem den Jungen Walter Israel, der später im Konzentrationslager Lublin- Majdanek ermordet wurde. Als Schülerinnen und Schüler ihr eigenes Alter nannten und deutlich wurde, dass Walter im Alter von 16 Jahren ermordet wurde, entstand spürbare Betroffenheit. Anschließend berichtete Lilienthal über seine Familiengeschichte. Er betonte: „Es geht nicht nur um Wissen, sondern um Verantwortung. Demokratie braucht Erinnerung.“
Lernen an Originalquellen:
Stufen der Verfolgung Danach arbeiteten die Jugendlichen in Gruppen. Anhand historischer Dokumente etwa amtlicher Schreiben und Briefe rekonstruierten sie die Stufen der Judenverfolgung. In den Diskussionen wurde deutlich, wie die systematische Entrechtung ab 1933 in Etappen verlief: Ausgrenzung, Kontrolle, Verbote und schließlich Vernichtung.
Meditativer Abschluss
Den Abschluss des Projekttages bildete ein stille Besinnungsübung: Gemeinsam wurden Kerzen entzündet. Die Schülerinnen und Schüler besannen sich auf Symbole, Worte oder kurze Sätze als Ausdruck dessen, was sie in Bezug auf den Workshop und den Holocaust empfinden. Damit gestalteten sie ihre persönliche und individuelle Erinnerungskerze. Viele wirkten gerührt und zugleich fassungslos darüber, wie konsequent das nationalsozialistische System Menschen entwürdigte und vernichtete. Der Workshop zeigte eindrücklich: „Gedenken ist kein Selbstzweck. Es kann ein Lernprozess sein, der Jugendliche stärkt im Erkennen von Unrecht, im Nachfragen und im Schutz demokratischer Werte. Erinnerung ist nicht nur Rückblick, sondern Auftrag.“
Von: Nora Schnauber

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